Taubheitsgefühl in den Fingern
Ursachen erkennen und Beschwerden behandeln
Ein Taubheitsgefühl in den Fingern wirkt zunächst nicht weiter schlimm. Doch wenn es häufiger auftritt, sich über längere Zeit hält oder mit weiteren Beschwerden wie Kribbeln, Schmerzen oder einer eingeschränkten Bewegung der Hand einhergeht, sollten Sie aufmerksam werden.
Hinter diesem Symptom können ganz unterschiedliche Auslöser stehen. Manche entstehen durch vorübergehende Durchblutungs- oder Druckprobleme, andere entwickeln sich, weil Nerven gereizt oder eingeengt werden.
In diesem Beitrag erfahren Sie, welche typischen Ursachen taube Finger haben können, welche weiteren Symptome häufig auftreten und wie sich harmlose von behandlungsbedürftigen Auslösern unterscheiden lassen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Karpaltunnelsyndrom, da es zu den häufigsten Gründen für anhaltende Taubheitsgefühle in den Fingern zählt und eine professionelle Behandlung benötigt.
Sie erfahren, wie Sie Warnsignale erkennen und wann es sinnvoll ist, die Ursache fachärztlich abklären zu lassen.
Welche typischen Ursachen kann ein Taubheitsgefühl in den Fingern haben?
Ein Taubheitsgefühl in den Fingern kann ganz unterschiedliche Auslöser haben – manchmal unbedenklich, manchmal Ausdruck einer behandlungsbedürftigen Erkrankung. Oft ist es das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, das zu einer Irritation oder Funktionsstörung der Nerven führen kann. Je früher Sie die Ursache herausfinden, desto besser lässt sich gegen die Beschwerden vorgehen.
Was kann kurzfristig ein Taubheitsgefühl in den Fingern hervorrufen?
Kribbelnde oder taube Fingerspitzen bedeuten nicht automatisch, dass etwas Ernstes dahintersteckt. Oft gibt es harmlose Auslöser, die sich schnell behandeln lassen oder von selbst wieder abklingen. Dazu gehören zum Beispiel:
- Kälte: Sinkt die Temperatur, ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Die Finger fühlen sich dann taub an oder kribbeln.
- Ungünstige Schlafposition: Liegen Sie nachts ungünstig, kann ein Nerv abgedrückt werden. Die Hand schläft ein, fühlt sich zeitweise taub an oder reagiert nur verzögert.
- Nährstoffmangel: Besonders ein Mangel an Vitamin B12 kann die Nervenfunktion beeinträchtigen und Missempfindungen verursachen.
- Medikamente: Einige Medikamente, etwa im Rahmen einer Krebstherapie oder zur Behandlung chronischer Erkrankungen, können als Nebenwirkung eine Neuropathie hervorrufen. Dabei verändert sich evtl. auch das Gefühl in Ihren Fingern oder Händen.
Welche ernsthaften Erkrankungen können ein Taubheitsgefühl in den Fingern auslösen?
Manchmal steckt hinter tauben Fingern mehr als ein vorübergehendes Kribbeln. Wenn Sie bemerken, dass die Symptome regelmäßig auftreten, sich verstärken oder mit weiteren Beschwerden verbunden sind, sollten Sie aufmerksam werden. Verschiedene Erkrankungen können die Funktion der Nerven beeinträchtigen und so Taubheitsgefühle hervorrufen.
Nervenerkrankungen
Viele Nervenerkrankungen wirken sich direkt auf die Reizweiterleitung zwischen Hand, Arm und Gehirn aus. Dazu zählen:
- Polyneuropathie: Hierbei sind mehrere periphere Nerven geschädigt. Häufige Ursachen sind Diabetes, Alkoholmissbrauch oder ein Vitaminmangel. Betroffene spüren oft Kribbeln, brennende Schmerzen oder Taubheit in Händen und Füßen.
- Karpaltunnelsyndrom: Der Mittelnerv (Nervus medianus) wird im sogenannten Karpaltunnel am Handgelenk eingeengt. Typisch sind Kribbeln, taube Fingerspitzen, nächtliche Beschwerden und ein Nachlassen der Kraft.
- Migräne: Eine Migräne kann nicht nur Kopfschmerzen verursachen. Manche Patienten erleben eine sogenannte Aura, bei der vorübergehende Gefühlsstörungen in Fingern, Armen oder im Gesicht auftreten.
- Guillain-Barré-Syndrom (GBS): Eine seltene entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die zu aufsteigenden Lähmungen und Taubheitsgefühlen führen kann. Das ist ein Notfall, bei dem Sie sofort ärztliche Hilfe benötigen.
- Bandscheibenvorfall: Drückt eine Bandscheibe im Bereich der Halswirbelsäule auf eine Nervenwurzel, können Taubheit, Kribbeln oder Schmerzen bis in die Finger ausstrahlen.
- Ulnarisrinnensyndrom (Kubitaltunnelsyndrom): Hier wird der Ellennerv (Nervus ulnaris) am inneren Ellenbogen eingeengt. Typisch sind Taubheit oder Kribbeln im kleinen Finger und Ringfinger.
Eingeschränkte Durchblutung
Wenn die Durchblutung nicht ausreicht, kommt weniger Sauerstoff in den Händen und damit auch in den Fingern an. Das kann zu Taubheit führen.
- Raynaud-Syndrom: Bei Kälte oder Stress ziehen sich die Gefäße plötzlich zusammen. Die Finger werden weiß, taub und fühlen sich kalt an.
- Schlaganfall: Taubheitsgefühle in Arm oder Hand können ein Anzeichen für einen Schlaganfall sein – vor allem, wenn sie plötzlich auftreten und mit Sprach-, Seh- oder Gleichgewichtsstörungen einhergehen. In diesem Fall zählt jede Minute, es handelt sich um einen medizinischen Notfall.
Psychische Auslöser
Auch seelische Belastungen können körperliche Reaktionen hervorrufen, die sich mitunter in Form von Taubheitsgefühlen in den Fingern äußern.
- Hyperventilation: Bei schneller, flacher Atmung sinkt der CO₂-Gehalt im Blut. Dadurch können Kribbeln und Taubheitsgefühle in Händen und Fingern entstehen.
- Panikattacken: Intensive Angst führt zu Muskelanspannung und veränderter Atmung, was Taubheit auslösen kann.
- Somatoforme Störungen: Hierbei entstehen körperliche Beschwerden, ohne dass eine klare organische Ursache gefunden wird. Die Symptome sind trotzdem real und belastend.
Können Sie trotz Therapie keine Besserung bemerken?
Falls bei Ihnen bereits die Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms gestellt wurde und konservative Therapien wie Schienen oder Medikamente keine Linderung bringen, stehe ich Ihnen gerne zur Seite. In meiner Praxis für Neurochirurgie habe ich mich auch auf Eingriffe des peripheren Nervensystems spezialisiert. Dazu gehört auch die operative Behandlung des Karpaltunnelsyndroms.
Welche Symptome treten häufig zusammen mit einem Taubheitsgefühl im Finger auf?
Wenn Ihre Finger taub werden, bleibt es oft nicht bei diesem einen Symptom. Achten Sie bewusst auf weitere Veränderungen. Sie helfen dabei, die Ursache besser einzugrenzen und frühzeitig zu handeln. Im Zusammenhang mit einem Taubheitsgefühl sind folgende Anzeichen häufig ebenfalls zu erkennen:
- Kribbeln oder Ameisenlaufen: Sie spüren ein Prickeln in den Fingern, als würden kleine Insekten darüber laufen?
- Schmerzen: Ziehende, stechende oder brennende Schmerzen in Hand, Arm oder Schulter begleiten das Taubheitsgefühl?
- Überempfindlichkeit: Reagieren Sie empfindlich auf leichte Berührungen oder Reize wie Wasser oder Kleidung?
- Schwäche in der Hand: Sie merken, dass Ihnen die Kraft fehlt, etwa beim Greifen oder Öffnen eines Glases?
- Bewegungseinschränkungen: Fühlen sich Ihre Finger steif an oder lassen sich schwer gezielt bewegen? Dann schränken die Beschwerden möglicherweise schon Ihre Alltagsfähigkeit ein.
Wenn Sie solche Symptome bei sich erkennen, sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Arzt. Solche Missempfindungen deuten oft auf eine Reizung der Nerven hin. Je eher die Diagnose steht, desto besser lässt sich die passende Behandlung einleiten.
Wann sollte ich das Taubheitsgefühl in den Fingern ärztlich abklären lassen?
Taube Finger sind nicht immer unbedenklich. In manchen Fällen steckt mehr dahinter und je früher Sie handeln, desto besser lässt sich eine mögliche Erkrankung behandeln. Diese Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen:
Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe auf, wenn Sie:
- Plötzlich keine Empfindung mehr spüren: Das Taubheitsgefühl tritt unerwartet auf, ohne erkennbare Ursache wie Verletzung oder Druckbelastung.
- Zusätzliche Beschwerden bemerken: Treten gleichzeitig Schwäche, Lähmungserscheinungen, starke Schmerzen, Koordinationsprobleme oder Sehstörungen auf, kann eine ernsthafte neurologische Ursache vorliegen.
Vereinbaren Sie zeitnah einen Arzttermin, wenn Sie:
- Länger anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden haben: Das Kribbeln oder die Taubheit hält über mehrere Minuten an, kehrt regelmäßig zurück oder wird mit der Zeit intensiver.
- Alltagsfunktionen beeinträchtigt sind: Ihnen fällt es zunehmend schwer, Gegenstände zu greifen oder präzise Bewegungen auszuführen.
- Veränderungen an Ihrer Hand beobachten: Die Muskelmasse nimmt ab oder Sie bemerken, dass sich Form oder Kraft Ihrer Hand verändert.
- Schlechter schlafen: Schmerzen oder Missempfindungen stören Ihre Nachtruhe oder wecken Sie regelmäßig.
Wann kann ein Taubheitsgefühl das Indiz für ein Karpaltunnelsyndrom sein?
Wenn Ihre Finger regelmäßig kribbeln oder sich taub anfühlen, kann das auch ein Anzeichen für das sogenannte Karpaltunnelsyndrom sein. Diese Erkrankung entsteht, wenn ein wichtiger Nerv, der sogenannte Medianusnerv, im Bereich des Handgelenks eingeengt wird. Der Nerv verläuft durch den sogenannten Karpaltunnel, eine schmale Passage zwischen Knochen und Bindegewebe an der Innenseite der Hand.
Typische Symptome bei einem Karpaltunnelsyndrom sind:
- Kribbeln oder ein taubes Gefühl in Daumen, Zeige- und Mittelfinger
- Schmerzen, die bis in den Arm ausstrahlen können, besonders nachts oder morgens
- Nachlassende Kraft beim Greifen oder Halten von Gegenständen
- Gefühl, dass Ihnen Dinge häufiger aus der Hand gleiten
Diese Beschwerden beginnen oft schleichend und verstärken sich mit der Zeit. Ohne geeignete Behandlung kann es zu einer dauerhaften Schädigung des Nervs kommen.
Können Sie trotz Therapie keine Besserung bemerken?
Falls bei Ihnen bereits die Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms gestellt wurde und konservative Therapien wie Schienen oder Medikamente keine Linderung bringen, stehe ich Ihnen gerne zur Seite. In meiner Praxis für Neurochirurgie habe ich mich auch auf Eingriffe des peripheren Nervensystems spezialisiert. Dazu gehört auch die operative Behandlung des Karpaltunnelsyndroms.
Welche Ursachen begünstigen das Karpaltunnelsyndrom?
Oft lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen, die allein zum Karpaltunnelsyndrom führt. Meist sind mehrere Faktoren beteiligt. Zu den häufigsten Auslösern gehören:
- Wiederholte Belastungen der Hand: Tätigkeiten mit gleichförmigen Bewegungen, beispielsweise bei der Arbeit am Fließband, an der Tastatur oder in der Pflege.
- Verletzungen oder Brüche im Bereich des Handgelenks, die zu anatomischen Veränderungen führen.
- Hormonelle Umstellungen wie in der Schwangerschaft oder bei Schilddrüsenerkrankungen.
- Erkrankungen wie Diabetes oder Rheuma, die die Funktion der Nerven beeinträchtigen.
- Wassereinlagerungen oder Schwellungen, z. B. bei Übergewicht.
Wie wird das Karpaltunnelsyndrom behandelt?
Je nach Stadium der Erkrankung kommen unterschiedliche Therapien infrage. Zu Beginn reichen oft konservative Maßnahmen:
- Handgelenksschienen, die vor allem nachts getragen werden, entlasten den Nerv.
- Medikamente wie entzündungshemmende Schmerzmittel oder Vitamin-B-Präparate können Beschwerden lindern.
- Auch ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz helfen, weitere Belastung zu vermeiden.
Wenn sich die Symptome trotz dieser Maßnahmen nicht bessern oder bereits dauerhafte Missempfindungen bestehen, kann eine Operation notwendig sein. Dabei wird das sogenannte Retinaculum flexorum – ein straffes Band, das über dem Karpaltunnel verläuft – vorsichtig durchtrennt. Dadurch entsteht mehr Platz im Karpaltunnel, der Druck auf den Medianusnerv nimmt ab und der Nerv kann sich erholen. Durch den Eingriff wird das Taubheitsgefühl reduziert, das Kribbeln nimmt ab und die Handfunktion wird verbessert. Viele Patienten berichten nach dem Eingriff von einer spürbaren Entlastung.
FAZIT:
Taube Finger nicht auf die leichte Schulter nehmen
Ein Taubheitsgefühl in den Fingern kann unproblematisch sein, zum Beispiel nach einer ungünstigen Schlafposition oder bei Kälte. Wenn die Beschwerden jedoch wiederkehren, länger anhalten oder von weiteren Symptomen wie Kribbeln, Schmerzen oder Muskelschwäche begleitet werden, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Hinter dem Symptom können ernsthafte Erkrankungen stecken. Je früher Sie die Ursache abklären lassen, desto besser lassen sich bleibende Nervenschäden vermeiden.
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Hinweis
Dieser Blogbeitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder eine qualifizierte medizinische Fachkraft.